M.P. Rowe
ZUSAMMENFASSUNG
Ein Ziel der zeitgenössischen Paläontologie ist die
Rekonstruktion ausgestorbener Lebewesen in ihrer gesamten Komplexität
von Form, Funktion und Interaktion, wie sie lebende und unserer direkten
Erfahrung zugängliche Tiere kennzeichnet. Mit diesem Ziel kann
über die visuellen Leistungen verschiedener ausgestorbener Tiere viel
aus der Anatomie und Molekularbiologie ihrer nächsten lebenden
Verwandten geschlossen werden. Besonders sind Rückschlüsse
über das Farbensehen ausgestorbener Tiere aus der Analyse einer
kleinen Zahl von Genen verschiedener Arten ableitbar. Die Belege zeigen,
dass einfache Tetrapoden ein System zur Farbwahrnehmung hatten, dass in
mancher Weise verfeinerter war, als unser eigenes. Menschen stehen in einer
schlechten Ausgangslage, um die Wahrnehmungswelten anderer terrestrischer
Wirbeltiere zu verstehen, wegen des Verlustes von anatomischen Spezialisierungen, die ausser bei eutherischen Säugetieren von anderen
Tetrapodengruppen beibehalten wurden. Der Disput über Sehleistungen
ausgestorbener Tiere entsteht nicht notwendig durch die fehlende Erhaltung
von relevanten Strukturen, sondern vielmehr durch unser tiefes und
weitgehend unbemerktes Unwissen über visuelle Funktionen bei heutigen
Tieren.
KEY WORDS:
Augen, Photopigmente, Dinosaurier, Wahrnehmung, Farbe